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Ausgabe 1 vom 1. Juni 2005 (als PDF):

26. Mai 2005 – Ralf Greb / Markus Hufnagel

Siglinde Voß: Informatikunterricht versus Softwareschulung?

Vortrag an der Universität Siegen – Fachgruppe Didaktik der Informatik – 26. April 2005

In ihrem Vortrag „Informatikunterricht versus Softwareschulung?“ ging Siglinde Voß auf die Gemeinsamkeiten und Zusammenhänge dieser beiden Arten der Wissens- und Kompetenzvermittlung ein. Als Beispiel verwendete sie Einführungen in ausgewählte Elemente (namentlich Textverarbeitung und Tabellenkalkulation) der Office-Pakete von Microsoft und Sun. Damit ist eine Nutzung der Ergebnisse für OpenOffice.org ebenfalls möglich.

Frau Voß unterrichtet Informatik an dem Gymnasium in Immenstadt (Bayern) und promoviert derzeit im Bereich der Informatikdidaktik an der TU München.

Schulinformatik in Bayern

Die Ausgangssituation der gymnasialen Schulinformatik in Bayern stellt sich wie folgt dar: Nach einer Testphase mit Informatik als 2-stündigem Pflichtfach in Jahrgangsstufe 6 ab 2000/2001 (evaluiert unter anderem von Prof. Hubwieser und Prof. Schubert – Gastgeberin des Vortrags an der Universität Siegen) wurde im Schuljahr 2004/2005 Informatik als 1-stündiges Pflichtfach in den Stufen 6 und 7 der bayerischen Gymnasien im Zusammenhang von „Natur und Technik“ eingeführt.

Siglinde Voß

Siglinde Voß in Siegen -- Folie 26

Informationszentrierter Ansatz – Objektorientierte Begrifflichkeit

Lerninhalt in den Jahrgangsstufen 6 und 7 im Pflichtfach Informatik ist die Vermittlung und Veranschaulichung informatischer Modelle am Beispiel von Anwendungssoftware. Dabei werden unter anderem Textverarbeitungsprogramme eingesetzt. Die objektorientierte Analyse und das Verständnis von Begriffen wie Objekt und Attribut wird anhand der Konstruktions- und Strukturelementen von Texten vermittelt. Betrachtet man etwa die Absätze eines Textes als Objekte, so sind zugehörige Attribute etwa Zeilenabstand zwischen den Absätzen, Einrücktiefe, etc. Auf diese Weise werden den Schülerinnen und Schülern neben dem Umgang mit Anwendungssoftware auch grundlegende informatische Denkweisen und somit fundamentale Ideen der Informatik nahegebracht, auf die später auf anderem Niveau zurückgegriffen werden kann.

Der zweite Bereich der Vermittlung von „informatischem“ Wissen, mit dem sich Siglinde Voß beschäftigt, ist die berufliche Weiterbildung und Schulung in Office-Anwendungssoftware. Die stete Weiterentwicklung(?) der Office-Werkzeuge stellt steigende Anforderungen an den Anwender. Daher ist eine Veranschaulichung der strukturellen Zusammenhänge und dynamischen Abläufe dieser Systeme vonnöten. In diesem Kontext vertritt Frau Voß die These, dass dazu die Informatik durch die Bereitstellung ihrer Modelle einen Beitrag zur Erleichterung des Verstehens und Lernens liefern kann. Die Informatik biete etwa durch Struktogramme, Klassendiagramme, Sequenzendiagramme und weitere Modelle zur graphischen Darstellung komplexer Zusammenhänge und Abläufe wichtige Hilfsmittel, die das Erlernen und das Verständnis der Wirkungsweise und Funktionalität von Anwendungssoftware vereinfachen können.

Die noch nicht systematisierte Evaluation der nach diesem Prinzip durchgeführten berufliche Weiterbildungen deutet in diese Richtung. Eine empirische Auswertung steht allerdings noch aus.

Erste Ergebnisse der Forschungen

Das Fazit aus dem Vortrag von Siglinde Voß lautet also: Zum einen kann in der Anfangsphase – nicht nur – des gymnasialen Informatikunterrichts die Behandlung von Anwendungssoftware grundlegende informatische Modelle und Denkweisen veranschaulichen, etwa der objektorientierten Modellierung. Ergänzend ist zu bemerken, dass Frau Voß einen Teil ihrer Ergebnisse mit der Untersuchung an einer Realschule gewonnen hat. Andererseits bieten gerade diese grundlegenden Ideen der Informatik (sie nannte diese Ideen fundamental – wurde aber in Bezug auf die Ableitung nach dem Schwillschen Modell nicht konkretisiert) Hilfsmittel zur Darstellung und Vermittlung der Funktionsweise von Office-Werkzeugen in der beruflichen Weiterbildung von Erwachsenen, die selbst vorher nie informatische Modelle kennengelernt haben.

Damit zeigt sich, dass die Informatik und somit auch die Schulinformatik in dem Sinn allgemeinbildend sein können, dass sie mit ihren Werkzeugen und Modellen das Verständnis vieler Prozesse und Strukturen erleichtern.

Siglinde Voß

Siglinde Voß in Siegen -- Folie 38

Materialien

Die im Vortrag zur Unterstützung eingesetzten Folien sind über den URL
www.die.informatik.uni-siegen.de/forschung/forschung/kolloquium/praesentation_voss_2005.pdf zugänglich.
Weitere Hinweise zu Publikationen von Frau Voß:
ddi.in.tum.de/index.php?id=120

Hinweise zur weiteren Arbeit

Seit dem Wintersemester 2004/05 kann Informatik als Unterrichtsfach in Bayern auch für das Lehramt an Realschulen studiert werden. Es steht damit zu erwarten, dass Informatik in absehbarer Zukunft in Bayern an mehr und mehr Schulformen zu einem Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler wird.

Darstellung des informationszentrierten Ansatzes

In Bayern eingesetzte Schulbücher für das Pflichtfach Informatik Um die Realisierung der in den Schulbüchern nicht mit Umsetzungsmöglichkeiten eingesetzten Notation mit Hilfe von Python in OpenOffice.org zu ermöglichen, wurde mit Ponto eine Umgebung entwickelt: ddi.cs.uni-dortmund.de/projekte/ponto
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